Maler in Leba  von Klaus Märtens, Berlin

" Hier in Rumke ist es fabelhaft einsam, zwischen Lebasee und Ostsee gelegen, eine außerordentliche Dünenlanschaft, großartiger als an der Kurischen Nehrung", schreibt 1929 Karl Schmidt-Rottluff an Friedrich Schreiber-Weigand in Chemnitz, " in Leba kann man alles bekommen, was man zum leben braucht und billiger als in J." - Sommers 1942 aquarelliert er mit Bruno Müller-Linow im Schilf am Lebasee, als Max Pechstein vorbeirudert. Sie sehen sich nicht. Besonders eindrucksvoll aus dieser Zeit ist das Bild vom Lebasee mit Revekol am Abend "Spiegelnder See" (Öl, 76 x 112 cm, 1936, Folkwangmuseum Essen).
Max Pechstein war schon 1921 nach Leba gekommen und die Hochzeit mit Martha, der schönen Tochter des Gastwirts Konrad Möller, machte ihn zum Lebianer. Viel subtiler als der Weggefährte aus Brücke-Zeiten eignete er sich diese Landschaft an. Er lebt und arbeitet mit den Fischern und bewegt sich zwischen Rowe und Leba, wie viel Motive auf Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden bis 1945 zeigen.. Briefe an den Freund und Händler Ede Plietzsch künden von seiner Begeisterung und singen das hohe Lied dieses "Paradieses aus Luft und Sonne, Sand und Meer". Dazu gehört, dass er sich im Garten Eden für den Hunger die Fische selbst fängt und gleich neben dem Malgerät über dem Holzfeuer zubereitet. In sommerlich frühem, gleißend gelb-weißem Licht zeigt er uns hinter der blau-verschatteten Mampe-Düne mit Kiefern die "Aufgehende Sonne" (Öl, 80 x 101 cm, 1933, Saarlandmuseum, Saarbrücken).
Auch vor Max Pechstein lebte schon ein Maler in Leba. Zur Biographie von Walter Zuchors weiß man wenig. Er wird 1870 in Leba geboren. Auch ihn muss der Zauber des Lichtes dieser Landschaft ergriffen und bewegt haben. Um 1890 wird er Schüler von Wilhelm August Stryowski in Danzig und studiert  1893-99 an der königlichen Kunsthochschule in Berlin. Dort gründet er 1902 eine "Akademische Schule für Malerei". Den Sommer verbringt er jeweils malend mit Schülern in Leba, wo er 1945 kurz nach der Invasion stirbt
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Walter Zuchors "Lebaer Hafen"

Walter Zuchors, "Dünen bei Leba", Öl, 1942, 80X58 cm

Neben den genannten, sehr nachhaltig mit Leba verbundenen Malern weilten in Leba und Rowe auch: Gerhard Fietz, Ivo Hauptmann, George Grosz, Willy Jaeckel, Bernhard Klein, Paul Kuhfuß, Ewald Mataré, Otto Priebe, Friedrich Stabenau, Hermann Teuber, Oleg Zinger. Als namhafte Fotografen sind zu nennen: Hedda Lendwai-Dirksen, Paul John, Erika Kruse und Pechstein als Gelegenheitsfotograf. Die allgemein zunehmende Wertschätzung der Fotografie wird das Interesse der Kunstbetrachtung auch auf die hinterpommersche Küstenlandschaft lenken. - Noch fehlt Leba in der Liste der bekannten historischen "Norddeutschen Künstlerkolonien" von Dangast über Ahrenshoop bis Nidden. Das muss  nicht immer so bleiben. (Für Hinweise und Ergänzungen zu diesem Thema ist der BdL sehr dankbar!)