Fischkutter und Maler

Partie an der Leba

Wappen von Leba

Ehemaliges Rauchhaus

um 1920

um 1935

2005

Die Stadt Leba und ihre Geschichte von Willi Gillmann, Kiel

Leba, Krs.Lauenburg i.P., hatte 3000 Einwohner, einschließlich Lebafelde, Fichthof und Stilo, die verwaltungsmäßig zu Leba gehörten. Leba war Hafen- und Fischerstadt und Ostseebad zwischen dem 7.538 ha großen Lebasee und dem 677 ha großen Sarsener See und an dem 150 km langen Lebafluß und an der Ostsee gelegen. Der Mühlengraben verbindet den Sarsener See und den Lebafluss. Leba war im 11.Jh. eine slawisch-wikinger-zeitliche Fischersiedlung, etwa 1,5 km nordwestlich der heutigen Stadt. Ortsnamenwechsel wie Levemunde, Lebamünde und schließlich Lebaim 16.Jh. kamen vor. Der Danziger Deutschordenskomtur Wilhelm von Baldersheim verlieh mit Genehmigung des Hochmeisters Winrich von Kniprode Lebamünde 1357 Kulmisches Stadtrecht ( später Lübisches Recht ). Der Orden verlieh der Stadt 1360 ein Wappen: Schwimmender Greif mit Störschwanz und einem aufrecht stehenden Kreuz; im Siegel mit der Umschrift "-S.CIVITATIS DE: LEBEMUNDE". Um 1360 wurde die Nicolaikirche gebaut. 1440 schloss sich  Leba mit Lauenburg dem Preußischen Städtebund an. Die Beitrittsurkunde vom 3.April 1440 zeigt das obige Siegel und befindet sich im Staatsarchiv in Thorn. Leba war bis 1466 im Besitz des Deutschen Ordens und gehörte dann zum  Herzogtum Pommern, von 1637 bis 1657 zu Polen und 1657 zu Brandenburg-Preußen. Mehrere Sturmfluten, so 1497 und 1558, verlegten die Flussmündung nach Osten; auch rückten die Wanderdünen auf Lebamünde zu. Die Stadt wurde daher 1570 an die heutige Stelle verlegt; die Kirche wurde erst 1590 aufgegeben und eine neue Kirche 1592 erbaut, welche aber 1682 nach einem Blitzschlag abbrannte. Der Neubau der Nikolaikirche wurde 1683 durch den Patron der Kirche, Nikolaus Ernst von Natzmer, veranlasst. Ab 1921 hatte der expressionistische Maler Max Pechstein sein Standquartier in Leba. Hier schuf er 1945 das Madonnenbild für die polnische katholische Gemeinde der Lebaer Kirche.  Zu erwähnen sind: Reformation in Leba um 1525, Fischereiordnung bereits 1499, 1662 eigene Gerichtsbarkeit, Bündnis der Städte Lauenburg, Bütow und Leba 1663 in Leba, im 18.Jh. Umschlagplatz für Salz und Holz, im 19.Jh. auch für Getreide und Kartoffeln und das Stadtgericht, seit 1862 Seebad, Fischereihafen seit 1889 mit der Verlegung der Leba um 400 m nach Westen. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Lauenburg - Leba 1899 erfährt Leba mit 60 Hochseekuttern, 12 Räuchereien, 2 Konserven-fabriken, einem Sägewerk, einer Kistenfabrik, einer Molkerei,  mit der Landwirtschaft, vielen Handwerks-betrieben, Handel und dem Badebetrieb einen stetigen Aufschwung. 1935 gab es eine Anlandung von 2,59 Millionen kg Sprotten, die zu "Kieler Sprotten" verarbeitet wurden. Seit dieser Zeit führte Leba bis 1945 den Tageswerbepoststempel "Ostseebad Leba- Deutschlands größter Sprottenfischereihafen der Ostsee”.

Leba hatte seit 1590 eine Stadtschule, seit 1865 eine Seenotrettungsstation und war seit 1900 Mitglied im Verband Deutscher Ostseebäder e.V..Von  1930 bis 1945 war Leba Sitz der "Pommerschen Segelflugschule Leba e.V.". Zum Ende des 2. Weltkrieges wurde Leba am 10. 3.1945 von sowjetischen Truppen besetzt, nach Festlegung der Oder-Neiße-Linie als neuer deutscher Ostgrenze polnischer Verwaltung unterstellt und schließlich wie ganz Ostpommern und die übrigen deutschen Ostprovinzen dem polnischen Staat eingegliedert. Die bis dahin ausnahmslos Deutschen (2852 Personen am 1.9.1939) wurden ab Mai 1945 in mehreren Transporten ausgewiesen.
Sehenswürdigkeiten:

  • Ältestes erhaltenes Fachwerk- und Rauchhaus von 1723, heute ul. Kosciuszki 86. Kaufmann und Konsul Joh. G. Mampe baute das Patrizierhaus (zu Beginn des 20. Jahrhunderts W. Magunna, zuletzt Spohn`sches Haus), Hauptstraße 18, mit der Balkeninschrift: DEUS PROTEKTOR ET   ADIUTOR MEUS - Herr, ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn - JOHANN MAMPE - 18.JULI 1723. In der Diele des Hauses befand sich einstmals ein Silberschrank, eine sehr gute Arbeit aus dem 18. Jahrhundert, sowie ein wertvoller Wandschrank aus Nußbaumholz mit prächtigen Schnitzereien - nach der Familienüberlieferung ein Danziger Meisterstück und Hochzeitsgeschenk des Joh. Mampe an seine Braut Elisabeth Haslinger aus Danzig.
     
  • Ehemalige Nikolai- Kirche von 1683 mit alten Grabplatten und seit 2001 auf Kirchplatz wieder aufgestelltes Kriegerdenkmal für die im 1.Weltkrieg Gefallenen aus Leba, Czarnowske und Fichthof, heute Steknica.
     
  • Ruinenrest der ursprünglichen Nikolai-Kirche von Alt-Leba auf der Westseite der Leba nahe dem Strandzugang.
     
  • Ehemaliges Kurhaus, eröffnet am 23.9.1907 von Freiherr von Massow-Langeböse, heute "Hotel Neptun".
     
  • Ehemaliger deutscher Friedhof für alle Konfessionen in der Zeit von 1850 bis 1945. Gedenkstein vom Bdl mitfinanziert, Inschriften in kaschubisch, polnisch und deutsch - in Erinnerung an die ehemalige evangelische Gemeinde -
     
  • Schloß Neuhof, heute Nowecino, Hotel und Restaurant, 2 km östlich von Leba am Südufer des Sarbsker Sees (Jezioro Sarbsko), im 15.Jahrhundert erbauter Stammsitz der Familie von Weiher.     

 Das Kurhaus von Leba – immer wieder vom  Sturm bedroht Manfred Lawrenz, Rainer Hasse

1906 ließ der Rittergutsbesitzer, Freiherr von Massow aus Langeböse, Kreis Stolp, das Kurhaus in Leba auf eine Düne in der Nähe des Villenviertels erbauen. Am 23. September 1907 erfolgte die Einweihung und Eröffnung des imponierenden Hauses mit seinem Turm aus Granit. Es war als Strandhotel für den Sommerbetrieb vorgesehen, aber erst einige Jahre später, nach dem Einbau der Zentralheizung, war eine durchgängige Nutzung möglich. Doch schon am 06. Februar 1911 musste das Kurhaus infolge großer Sturmschäden geschlossen werden. Zur Besichtigung der durch die See angerichteten Verwüstungen weilten am 28. Februar mehrere hohe Beamte, unter ihnen der Oberpräsident von Pommern, Freiherr von Maltzahn, in Leba. Nachdem im Februar 1913 eine heftige Sturmflut weitere Schäden verursacht hatte, kaufte der Lebaer Hotelbesitzer Maximilian Nitschke das einsturzgefährdete Haus und auch das dazugehörende Gelände kostengünstig. Die eingeleiteten Befestigungsmaßnahmen am Strand und an den Dünen führte schließlich zur Erhaltung des Kurhauses. Als im Januar 1914 die große Sturmflut über Leba hereinbrach, schienen zunächst alle Bemühungen vergeblich, das Kurhaus zu retten. Doch fast die gesamte männliche Lebaer Bevölkerung  machte sich daran, Sandsäcke von den Nebendünen heranzuschaffen, um die vor dem Kurhaus gelegene Düne zu sichern. Umliegende Güter hatten Menschen und Fuhrwerke zu Hilfe geschickt. Nachdem bauamtlich geklärt war, dass das Haus keinen Schaden erlitten hatte, wurden weitere Maßnahmen eingeleitet: Eine noch stärkere Befestigung an der Kurhausdüne durch eine verstärkte Schutzmauer und spätere Buhnenbauten sollten die Gefahr für immer bannen. Zu Pfingsten 1914 wurde das Kurhaus wieder eröffnet. Während der Badesaison fand jeden Mittwoch eine sogenannte „Reunion“, ein großer Ball, statt, der sich großer Beliebtheit erfreute. Von den Herren wurde ein dunkler Gesellschaftsanzug, von den Damen ein Ball- bzw. Tanzkleid erwartet. Zu den prominenten Gästen bis zum Zweiten Weltkrieg gehörten u.a. Max Schmeling mit Anny Ondra, der österreichische Bundeskanzler Dollfuß, Reichsinnenminister Frick, der Danziger Senatspräsident Dr. Sahm, der Tiefseetaucher Hans Haß und der Afrikaforscher Hans Domburgk. Gustav Gründgens drehte im Sommer 1938 in Leba den Film „Der Schritt vom Wege“, eine Verfilmung nach dem Roman „Effi Briest“, mit bekannten Schauspielern . Es ist wahrscheinlich, dass  Mitwirkende im Kurhaus gewohnt haben. Zunächst ging der Sommerbetrieb weiter. Nach der Errichtung der Raketenerprobungsstelle 1940 bei Rumbke durch die Firma Rheinmetall-Borsig, bezogen das leitende Personal und die Offiziere das Kurhaus und der öffentliche Lokalbetrieb wurde eingestellt. Im Januar 1945 schlossen sich Maximilian Nitschke und seine Frau dem Fahrzeugtreck von Rheinmetall-Borsig an und verließen Leba. Nach 1945 soll das Kurhaus u.a. als Kinderheim genutzt worden sein. Das heute renovierte Gebäude wird seit mehreren Jahren von einer Gesellschaft als „Hotel Neptun“ betrieben. Seit einiger Zeit schützt eine Betonmauer das Kurhaus vor Unterspülung, denn die Ostseeküste hat hier schon viele schwere Sturmfluten überstehen müssen: die „Chronik der Stadt Leba“ berichtet von ersten Katastrophen in den Jahren 1309 und 1396. Im Jahre 1913 konnte das Kurhaus gerade noch gerettet werden. Bei der letzten großen Sturmflut im November 2004 wurden wiederum Unmengen von Sand weggespült und der Zugang zum Strand, eine Art Holzkonstruktion, schwer beschädigt. Es ist nicht auszuschließen, dass diese einer aufwendigen Betontreppe weichen muss. Unaufhaltsam saugen Bagger und Pumpen durch lange Rohre neuen Sand aus dem Meer auf den Strand. Die Bilder zeigen deutlich , dass sich die Breite des Strandes ständig ändert. Es stellt sich immer wieder die Frage nach den Kosten und möglichen Finanzierungen, um das unverkennbare Wahrzeichen der Stadt Leba zu erhalten, denn „nun schon fast [100] Jahre trotzt das Kurhaus Sturm und Wind, Schnee und Eis [...] “.

Quellen:  Bürgerbriefe Nr. 17 (1994), S. 7ff.; Nr. 30 (1998), S. 4f. W.  Gillmann, Chronik der Stadt Leba . Pommersche Zeitung, 15.07.1995, Das graue Schloss am Meer. Pommersche Zeitung, 30.09.1995, Von stürmischer See bedroht 

 

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